Zunächst mal eine Enttäuschung für alle Neugierigen: Die Frage, was passiert, wenn das In-Place-Upgrade auf eine mit MBR formatierte SSD/HDD los gelassen wird, auf der sich schon vier primäre Partitionen befinden, wird an dieser Stelle nicht beantwortet werden, denn das Problem wurde unelegant umgangen. Das ist zwar nicht die "feine Englische", aber auf einen großen Knall auf dem Software-Ausprobier-Rechner hatte ich keinen Bock. Die 3. und 4. p. P. wurden gelöscht und durch eine erweiterte Partition mit zwei logischen Partitionen darin ersetzt. Da "Distro2" (hier: ArchLinux x86_64) noch gar nicht installiert ist, musste nur "Distro1" (hier: Slackware64 14.2) temporär auf eine andere HDD im System geschaufelt und nach der Umpartitionierung wieder zurück geschaufelt werden. Bei der Gelegenheit wurde die Umpartitionierung mit gparted gemacht und die Partitionsgrößen angepasst. Slackware64 wird auf absehbare Zeit mit 50 GB auskommen. Dafür wurden die Partitionen für Windows 10 und ArchLinux x86_64 vergrößert.
nachher:
/dev/sda1 7 (ntfs, Windows 10)
/dev/sda2 27 (hidden ntfs, WinRE)
/dev/sda3 83 (ext4, Linux boot, Distro 1 & 2)
/dev/sda4 5 (extended)
/dev/sda5 83 (ext4, Linux root, Distro 2)
/dev/sda6 83 (ext4, Linux root, Distro 1)
Nach nunmehr drei In-Place-Upgrades stellt sich das Ganze so dar:
- Mit Windows 10-Bordmitteln lässt sich der PC so einrichten, dass der Desktop dem von Windows 7 ähnelt. Das ist auf Arbeit wichtig, da ein "harter Umstieg" dort für Ärger sorgen würde. Das Startmenü sieht halt anders aus, aber die ollen Kacheln sind weg.
- SMB 1.0 ist schon aktiviert, wohl von Windows 7 übernommen. Somit werden die anderen PCs im Netz angezeigt wie unter Windows 7. Der Zugriff auf samba-shares erfolgt ebenso wie unter Windows 7. Das ist auf Arbeit wichtig, da dort ein Linux-Fileserver läuft, auf dem von den Windows-Clients aus gearbeitet wird. Privat ist es praktisch, da die Notenblätter nicht erst auf einen USB-Stick kopiert werden müssen.
- Alte USB 3.0-Treiber können deinstalliert werden, da Windows 10 USB 3.0 aus der Tüte unterstützt. Wird unter Windows 10 deinstalliert, ist danach allerdings ein Neustart erforderlich, damit USB 3.0 wieder läuft. Dafür wird man einige Dateileichen los.
- Damit der PC nicht zur Abhörstation verkommt, sind doch zahlreiche Mausklicks sowie ein Eingriff in die registry und die Deaktivierung eines Dienstes (zum Abwürgen der Telemetriedatenübermittlung) nötig.
- Damit MS den PC nicht ungefragt mit nutzlosen bis (im Büroalltag) schädlichen Apps zumüllt, ist ein weiterer Eingriff in die registry nötig.
- Bisher laufen bis auf eine Ausnahme alle von Windows 7 übernommen Programme auch auf Windows 10: LibreOffice 6.2.8 (alle Komponenten); Microsoft Office 10 (Excel, Powerpoint, Word – nur auf Arbeit im Einsatz); Gantt-Project 2.8.10; capella 2000 (nur privat im Einsatz); PDF-Creator 3.5.1; Adobe Reader DC; Gimp 2.10.12; Inkscape 0.92.4; CorelDraw 4 (nur auf Arbeit im Einsatz); LibreCAD; Firefox; Thunderbird; VLC Media Player 3.0.8; 7-Zip 19.00. Die Ausnahme ist auf einem Büro-PC ein Programm für eine Drohne. Das Programm (DJI Assistant $_irgendwas) läuft zwar grundsätzlich auf Windows 10, musste aber nach dem In-Place-Upgrade deinstalliert und dann neu installiert werden. Dieses Programm wird auf Arbeit nur auf einem PC gebraucht.
- Die Start- und Ausführungsgeschwindigkeiten der Programme sind mit denen unter Windows 7 vergleichbar, was bedeutet, dass Windows 10 nicht nennenswert mehr Systemressourcen frisst als Windows 7. Es gibt eine Ausnahme: Gimp 2.10 startet unter Windows 10 spürbar schneller als unter Windows 7, erreicht aber nach wie vor nicht die Startgeschwindigkeit unter Linux. Während Gimp 2.8 auch auf Windows 7 performant läuft, ist Gimp 2.10 auf Windows 7 'ne Schlaftablette, auf Windows 10 hingegen brauchbar.
- Eine entsprechende Recherche im Vorfeld ergab, dass die aktuelle in Windows 10 integrierte Antivirussoftware vergleichbar leistungsfähig ist wie das unter Windows 7 verwendete kostenfreie Avast. Dieses doch recht nervige Programm, das vor jedem In-Place-Upgrade sicherheitshalber deinstalliert wurde, gehört somit der Vergangenheit an.
Das Upgrade von Windows 7 auf 10 löst (nicht nur) bei mir nicht gerade Begeisterungsstürme aus. Es frisst nämlich Zeit, ca. 1 Stunde Arbeit pro PC, dazu mehrere Stunden PC-Nutzungsausfall. Insbesondere die Datenträgerbereinigung noch unter Windows 7 dauert ewig, schafft dafür aber auch u.U. Platz im zweistelligen GB-Bereich auf der Windows-Partition. Mit lahmem Internet (16 MBit/s) oder etwas seltenerer bzw. alter Hardware (Creative Labs Audigy2 ZS; Satelco EasyWatch DVB-C MK3; FDC mit 3,5" 1,44 MB FDD dran) im PC braucht auch das Upgrade ab Start vom USB-Stick bis zur ersten Möglichkeit, selbigen "auszuwerfen" noch über eine Stunde. Will oder muss man Windows über den (nach derzeitigem Sachstand) 14.01.2020 hinaus mit Internetzugriff nutzen, ist das Upgrade unter Sicherheitsaspekten allerdings alternativlos. Wenigstens fallen keine neuen Lizenzkosten an, wenn ein legales Windows 7 (OEM losgelöst vom ursprünglich zugehörigen PC oder Retail spielt bislang keine Rolle) installiert ist. Bislang scheint es MS also wichtiger zu sein, Windows 10 zu verbreiten und gleichzeitig Windows 7 & 8.1 auszurotten als für jede Windows 10-Lizenz die Hand aufzuhalten. Mal sehen, ob das so bleibt …