Sicher. Deswegen ist die Vorgängergeneration aber nicht automatisch "scheiße", bloß weil sie etwas noch nicht konnte. Sie spiegelte eben den damaligen Stand der Technik bei Intel dar. Und wie gesagt: Bei einer Weiterentwicklung ist ja das Ziel, das vorhandene (zumindest in gewissen Bereichen) zu verbessern - sonst wäre es ja keine Weiterentwicklung. Dass dabei nicht immer alle Bereiche zum Positiven verändert werden, steht auf einem anderen Blatt.
Bestes Beispiel ist da der Schritt vom Pentium III (P6-Architektur) zum Pentium 4 (Netburst-Architektur), wenngleich die Netburst-Architektur 'ne Neuentwicklung war und keine Weiterentwicklung der P6-Architektur. Ziel waren höhere Taktraten und mehr Leistung - und das Ziel wurde auch erreicht. Die zeitgleich verfügbaren Modelle vom Pentium III und Pentium 4 haben merkliche Taktratendifferenzen (Sommer/Herbst 2000: 1,13 GHz vs. 1,50 GHz; Sommer 2001: 1,26 GHz vs. 1,80 GHz; Januar 2002: 1,40 GHz vs. 2,20 GHz), wobei der Pentium 4 in der Maximal-Taktung mehr Leistung gebracht hat als das jeweils verfügbare beste Pentium-III-Modell. Negativer Aspekt der Netburst-Architektur allerdings war eine gegenüber der P6-Architektur in Teilen geringere Effizienz und vor Allem die deutlich höhere Verlustleistung. Letztere wurde durch den Shrink von 180 nm beim Willamette auf 130 nm beim Northwood merklich verringert (natürlich auch beim Shrink vom Coppermine auf den Tualatin, wenngleich dort nicht im selben Maße wie beim Pentium 4, da die Netburst-Architektur deutlich komplexer war).
Im Endeffekt war Netburst dann nicht die erwartete dauerhafte Lösung - wohl auch, weil parallel dazu die P6-Architektur weiterentwickelt worden ist. Auch wenn die Banias-/Dothan-Pentium M und später die Yonah-Core Solo/Duo in Sachen Rechenleistung nicht an das heranreichten, was die Spitzenmodelle der Netburst-Architektur erreichten, so waren sie in Sachen Energieeffizienz deutlich besser, was immer mehr in den Fokus rückte. Im Mobilbereich war zur damaligen Zeit nahezu nichts anderes konkurrenzfähig - der Netburst-Mobil-Chip Pentium 4-M ist da kläglich gescheitert - und auch AMDs Versuche mit dem Mobile Athlon 4 oder dem Athlon XP-M waren eher dürftig. Im Desktop-Bereich hingegen war die Energieffizienz noch eher nebensächlich - da war sowohl der Pentium 4 von Intel als auch der Athlon XP von AMD Anfangs sehr gut drin, viel Wärme zu erzeugen.