Der erste Monat Balkonkraftwerk - ein vorläufiges Fazit

  • Ja ich wollte mal zu meinem Kraftwerk was schreiben. Vielleicht ist es ja interessant. Was bisher geschah:

    Die Idee ein BKW zu haben, hatte ich schon vor Jahren. Aber in der Eigentümergemeinschaft keine Chance. Geändert hat das tolle Solarpaket II. Damit konnte ich im Mai nach vielen Mails mit dem Verwalter das auf die Tagesordnung erneut packen. Ursprünglich hatte ich 2 Ideen. Das Gebäude ist 2 Stöckig mit ausgebauten Dachgeschoss. Da wohnen wir. Da haben wir eine Dachterasse, die so als Loch im Dach existiert. Also vorne Dach, links, rechts und oben Dach. Das Gebäude ist im Prinzip Ost-West. Aber fast 30 Grad nach Süden gedreht. Also fast Südostdachterrasse.

    Die eine Idee habe ich jetzt umgesetzt, sie steht auf der Terasse. Keine Verbindung mit Bauwerk, Zustimmungspflicht. Hatte trotzdem eine Handvoll Gegenstimmen. War jetzt aber auch nicht gut in der Einladung kommuniziert. Die andere ist vorher gestorben, aufs Dach über der Terasse. Einerseits wäre es wohl nur über Fachkräfte (Dachdecker) gegangen, was die Kalkulation schwierig gemacht hätte, andererseits steht auch eine Dachsannierung an. Das Geld wäre auch noch für die Katz gewesen.

    Kurz nach der ETV habe ich schon mit der Umsetzung begonnen. Warum die Eile? Seit April gibt es eine lokale Förderung von 250 € pro Anlage vom Land. Da die aber Pleite sind, denke ich der Topf wird auch nicht mehr aufgefüllt werden. Die Anlage besteht jetzt aus 3 Teilen, die Panels selbst, Dreieckshalter (120 €) mit Klemmmechanismus als Kaufprodukt und einem Gestell. Ich habe eine recht breite Brüstung und der Plan war, mit einer Dreieckshalterung für die Bodenmontage die Anlage da hinzustellen. Dazu musste nen Gestell her, damit die Brüstung breit genug ist. Hab das einfach aus Holz gebaut (auch teuer geworden, 50 € Holz, 20 € Schrauben). An das Gestell ist die Anlage geschraubt, das ganze dann mit Waschbetonplatten beschwert. Das Kraftwerk selbst besteht aus 2 Standardpanels, 440 Watt 1,7 m x 1 m. Wir haben in der Anlage keine Vorgabe wie, daher hängen die links und rechts auf Dach über. Der Beirat hatte kein interesse - bin im Beirat.

    Panel Kauf war auch ein Abenteuer. Wegen der Förderung und mangelnden Detailswissen, wollte ich eh nen komplett Kraftwerk kaufen. Ursprünglich wollte ich lokal im Baumarkt kaufen, Bauhaus hatte im Mai nen nettes Angebot, aber im Juni nicht mehr. Also habe ich die typischen Supermärkte Online abgeklappert. Aber nichts gescheites gefunden. Am Ende war es dann Alternate. Und da sind es dann auf den letzten Meter ein Bifaziales geworden. Der Aufpreis war mit 10 € überschaubar. Gekostet hat es 240 € + 60 € Versand. Letzterer hat eine Woche gedauert und der Spediteur kam zum blödesten zeitpunkt, als ich eigentlich schon fast im Bus zum Gericht saß. Bifazial bedeutet, dass das Panel keine Folie auf der Rückseite hat, sondern auch dort Strom Sammeln kann. Weil die Ausrichtung immer dann falsch ist, sind die Werte in der Werbung kompletter Müll. Aber letztlich waren wir mal lange unterwegs und die Markise war draußen. Ab späten Nachmittag kommt die Sonne sehr schräg über das Dach nochmal auf die Terasse + indirekte Streuung. Markise einfahren hat letztlich 20 Watt gebracht. Nett, aber rechnet sich wohl auch nur schwer. Aber die 10 € finde ich für die Optk nett. Sieht aus wie ne Iphone Sammlung auf meiner Terasse.

    Generell ist die Ausbeute orderntlich. Durchschnittlich verbrauchen wir 10 kw pro Tag. An perfekten Julitagen bringt die Anlage 6 kw. Leider ist der Sommer eher mies. Es gab auch Tage da kam nicht mal 1 kw zusammen. Mit der Anmeldung im Marktstammdatenregister hat sich der Netzbetreiber gemeldet. Zählertausch angekündigt. Noch habe ich nen alten, der läuft Rückwärts. Also spare ich noch 30 Cent pro produzierter kwH. Ergo habe ich mit meinem 100 kwH bisher 30 € gespart. Daher ist es glaube ich nen Protipp die Anmeldung/Inbetriebname in den Sommer zu schieben. Mehr potentielle Sonnenzeit, und vielleicht verzögert die Urlaubszeit noch dazu was.

    Nach der Wechselung wird es wohl schwerer das Ding abzubezahlen. Der Gewinn liegt den Strom dann zukünftig dann zu verbrauchen, wann er anfällt. Das spielen wir sinnlos gerade durch. Das Kraftwerk haut am perfekten Sommertag vor 5 Uhr bis nach 21 Uhr Strom ins Netz. Peak ist natürlich 11 Uhr, und die guten Stunden (min 25 %) sind von 7 bis 16 Uhr. Unsere Hauptverbräuche lassen sich nicht steuern. Warmwasser brauchen wir vor allem morgens (und das ist auch mehr als 800 Watt), gekocht wird abends. Vor allem Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler wären da neben dem Standby zu nutzen. Gerade der Trockner schluckt, muss aber mittags befüllt werden. Man schafft dann auch nur einmal Wäsche. Mal schauen ob das klappt. gemessen haben wir für eine 30 Grad Wachladung + Trockner etwa 1 kw. Sonst halt nur quatsch mit Rechnern.

    Das ganze hat jetzt 490 € gekostet. 250 € Förderung habe ich inzwischen auch ausgezahlt bekommen. Sind 240 €. jetzt noch 210 €. Je nach Wetter und Laune des Netzbetreibers geht da noch was. Sind noch 700 kwH einzusparen. Viel Wäsche. Leider habe ich nie den Standby Grundverbrauch vorher gemessen. Wobei wir auch seit fast einem Jahr jetzt nen neuen Kühlschrank haben, der nur noch die Hälfte vom alten brauchen soll. Rechne mit 2 Jahren bis sich das recchnet.Bin mal gespannt, ob man am neuen Zähler die Einspeisung nachvollziehen kann. sonst ist das alles schätzerei.


  • Kleines Update. Das Kraftwerk ist jetzt 1 Jahr alt und heute abend hat es 365 vollständige Tage gearbeitet. Ich hatte nur einmal Ärger mit dem Ding. Im Strang wo es hängt, war mal die Sicherung geflogen. Dadurch zeigte es Netzstörung und produzierte nichts mehr. Dann scheinbar schon? Aber alles war unklar, das Webinterface zeigte quark. Musste das Kom-Modul neustarten, danach gings wieder normal, aber die Statistik war dann nicht mehr sauber, weil er offentsichtlich wieder bei 0 angefangen hatte für den Tag. Nen anderer Tag war mal der Server gestört, weshalb die Tageskurve Müll war.

    Einen neuen Rekord habe ich nicht mehr aufgestellt. An Tag 4 waren es 6,16 kWh. Danach fehlte einfach das Wetter. Ende Mai war mal wieder 6,11 kWh erreicht, danach war der Juni einfach zu wolkig, jetzt ist es zu heiß. Aber auch nicht schlimm. Ich merke, dass wenn Sonne da ist, habe ich das Problem, dass ich den Strom nicht verbraucht bekomme. Meist irgendwas über 50-60%. Manchmal weniger. Seit September habe ich den modernen Stromzähler. Seit dem bin ich bei durchschnittlich 53,72 %. Insgesamt hatte ich jetzt 909 kWh. womit ich gut mit der Faustformel 880 W * 1000 in kWh hingekommen bin.

    Bin plötzlich für Wäsche verantwortlich. Spüler läuft nur noch am Tag. Kochen ist schwierig, höchstens am Wochenende wäre es mal mittags warm möglich, aber ehrlicherweise brauche ich je nach was es gibt schnell mal 1 oder 2 kW beim Kochen. Noch schlimmer ist Warmwasser. Vorher kein echtes Gefühl gehabt, mit dem neuen Stromzähler (jetzt auch dauerhaft deaktivierte PIN) weiß ich das da 11 kW durchfließen beim Duschen. Da hilft dann auch im Sommer morgens 400 W aus dem Ding nur bedingt. Anderesherum gibt man sich voll Mühe, um Handy oder Laptop tagsüber zu laden, nimmt auch mal die alten Powerbanks über nacht, um die wieder tags zu laden. Obwohl kaum was bringt.

    Generell hat sich einiges bewegt. Wie gesagt kamen wir mal von 4000 kWh. Die letzten Jahre halt Wärmepumpentrockner, letztlich Kühlschrank, jetzt Balkonkraftwerk und tippe auf 3000 kWh im Jahr. Bisher 13,84 % unseres Strombedarfs über das Ding gedeckt. Eingepeist 306 kwH. Also 100 € verschenkt. Nach der Förderung sind jetzt noch 67 €, also 200 kWh muss ich noch nutzen.

    Von Nachbarn wurde ich nen paar mal angesprochen. Hab aber nicht das Gefühl, dass wirklich einer nen Antrag stellt, um selber eins zu haben. Ein paar sagen sie würden keins auf die Dachterrasse stellen, könnten sich aber vorstellen aufs Dach eins zu haben. Aber bisher sieht das nicht gut aus. Arbeite dran, dass wir hier mal ne Dachsanierung machen, in Berlin hätten wir eine Pflicht zur Belegung des Dachs. Aber die Wirtschaftlichkeit ist da utopisch. Pachten funktioniert nicht mehr, unser Dach ist auch durch Dachausbau total zerklüftet. 100-160 Panels stehen in einer Machbarkeitsstudie. 44 kW für 76 Haushalte ist wirklich nicht viel. Da wir klassisch mit Gas heizen, gibts auch keine Möglichkeit es Gemeinschaftlich zu nutzen. Da brauchen wir zu wenig Strom. Komplett lohnt eh nie. Mieterstrom ist zu kompliziert, weil man die Elektrik komplett ändern müsste, GGV stünde im Raum, aber die Rahmenbedingungen sind murks. Funktioniert nur innerhalb des Hausanschlusses. Da haben wir 13 von. Und schon hat man winzige 3 kWp Anlagen, wo die Leute nichts sparen können, aber theoretisch müssten die uns den Strom voll abkaufen. Zu normalen Preisen. Freiwillig. Zweifel angebracht.


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