• Nach der Installation von MS-DOS 3.30 (HP OEM, angepasst für Vectra) ließen sich zwei Probleme lösen:

    1. Der reserved memory, an dem sich FreeDOS die Zähne ausbiss, wird von dem HP-eigenen HPMM.SYS geknackt. Mit dem zu HPMM.SYS gehörenden RELOCATE.EXE lassen sich prinzipiell Treiber und TSRs in den reserved memory abschieben, wodurch im Arbeitsspeicher < 640 KiB weniger Müll rum dümpelt. Mit KEYBOARD.SYS und \HPHIL\MOUSE.COM funktioniert das.
    2. Der HP 82321 Language Processor (aka HP Basic Language Processor, abbr.: HPBLP) lässt sich mit dem Treiber HPBLP.SYS bestiefeln und dann mit \BLP\BASIC.EXE anstarten und aus sich heraus mit der entsprechenden Tastenkombi beenden. Die Oberfläche scheint Rechner der HP9000/300-Serie nachzubilden. Mangels Manual in Kombination mit "Null Ahnung von HP Basic & HP9000-Rechner" kann ich damit erst mal nix anfangen. HPBLP.SYS reagiert allerdings allergisch auf RELOCATE.EXE und schmeißt dann nur eine Fehlermeldung statt zu laden. Somit lässt sich HPBLP.SYS nicht aus dem Arbeitsspeicher < 640 KiB abschieben.

    Das der Linux-Kernel 2.2.20-ext3 von der tomsrtbt-Diskette nur mit der Option no387 startet, obwohl ein 80387SX-16 verbaut und per DIP-Schalter eingeschaltet ist, ist ein Kernel-bug. Ein für 386 mit 387 kompilierter Kernel 2.4.33.3 startet durch – die kernel panic kommt erst, wenn der Zugriff auf die HDD mit dem root-fs scheitert, da diese HDD noch gar nicht eingebaut ist. Der Kernel 2.4.33.3 lässt sich entgegen allen Erwartungen mit loadlin 1.6f von dem fossilen MS-DOS 3.30 aus starten. Sinn des Ganzen: Zugriff auf 's LAN. Plan zur Umsetzung: IDE-HDD an IDE-Controller, der als ide1 (I/O 0x0170-0x0177 & 0x0376; IRQ 15) komplett am Mainboard-BIOS vorbei läuft und auch kein eigenes BIOS braucht, weil der direkt vom Linux-Kernel bestiefelt wird.

  • Das Linux wurde installiert. Dafür wurden lediglich Komponenten hinzugefügt, also nichts vom vorherigen Bestand entfernt oder verändert. Die vier noch freien Steckplätze (3× ISA, 1× XT) sind schließlich nicht zur Zierde da. Hinzugefügt wurden:

    • ISA-Multi-I/O-Controller Kjoken Ideplus V4: 1× IDE, 1×FDC (disabled), 2× RS232 (16450 UARTs), 1× SPP-Parallelport, 1× Gameport
    • ISA-PnP-NIC 3Com 3C509B: 10Base-2/5/T (2 & 5 disabled), set to "jumperless" (PnP disabled)
    • IDE-HDD Maxtor 90871U2 samt IDE-Kabel

    Das Linux (Slackware 9.0; Kernel 2.4.37.11) wurde von einem anderen 386er geklont und angepasst. Klonen, Kernel backen und ALSA-driver backen erfolgten aus Zeitgründen "cross" auf einem Sockel-Super-7-System (AMD K6-2+ 600; 768 MiB RAM). Linux läuft auf dem 80386SX-16 sehr gemütlich, wobei dank des Koprozessors wenigstens die "math emulation" im Kernel erspart bleibt. Die Console ist brauchbar. X wurde mit nur 8 MiB RAM und 256 KiB VRAM gar nicht erst probiert.

    Die HIL-Maus wurde durch eine RS232-Maus (Logitech Pilot Mouse) ersetzt. Dafür gibt es mehrere Gründe:

    • Mausbestand: 9× RS232 und nur 1× HIL
    • Im Vergleich zur DE-9-Steckverbindung wirkt die HIL-Steckverbindung, die einer RJ-Steckverbindung ähnelt, recht filigran und entsprechend empfindlich. Im Falle eines Ausfalls ist DE-9 zudem leichter zu ersetzen.
    • Die HIL-Maus läuft nicht gut, was vor allem am recht steifen Mauskabel (4-pol. flach statt sonst üblich rund) liegen dürfte. Den beiden Mikroschaltern unter den beiden Maustasten sind die Jahre auch schon anzumerken.
    • Unter DOS ist es wumpe, ob die HIL-Maus oder eine RS232-Maus dran hängt. CTMOUSE.EXE aus FreeDOS 1.4 lässt sich mit HPMM und RELOCATE genauso in den reserved memory abschieben wie der Treiber für die HIL-Maus.
    • Durch den Einbau des ISA-Multi-I/O-Controller sind drei RS232-Schnittstellen verfügbar. Sowohl CTMOUSE.EXE (DOS) als auch gpm (Linux) erlauben den Betrieb der RS232-Maus an COM3 mit I/O-base 0x3E8 & IRQ 5, womit COM1 & 2 mit Standard I/O & IRQ verfügbar bleiben.
    • Der HIL-Bus läuft nicht unter Linux. Die dafür nötigen Treiber liegen zwar im kernel source tree, werden von make menuconfig aber nicht angeboten und lassen sich daher auch nicht kompilieren.
    • Der zwar umfänglichen, aber nicht immer vor Übersichtlichkeit strotzenden Doku zum Vectra lässt sich entnehmen, dass die HIL-Maus nur dann zwingend benötigt wird, wenn auf dem HP 82321 Language Processor ein BASIC-Programm laufen soll, das mit Mausbedienung arbeitet.
    • Für den Betrieb der Kiste muss nicht jedesmal extra die HIL-Maus hervor gekramt werden. Statt derer kann die RS-232-Maus benutzt werden, die auch an die anderen Museumskisten dran kommt, die mit einer RS232-Maus bedient werden. Das ist zweifelsohne der mit weitem Abstand wichtigste Grund … :D

    Der aktuelle Zustand der Kiste stellt sich wie folgt da ("original" = im Lieferumfang enthalten oder zeitnah nach Lieferung hinzugefügte "Originalteile" oder Garantieaustausch damals):

    • Unlängst hinzugefügt wurden ISA-Multi-I/O-Controller Kjoken Ideplus V4, ISA-PnP-NIC 3Com 3C509B, IDE-HDD Maxtor 90871U2 samt IDE-Kabel und das 3½" 1,44 MB Diskettenlaufwerk samt Floppy-Kabel, wobei das wegen Defektes entfernte 3½" 1,44 MB Diskettenlaufwerk samt Floppy-Kabel auch nicht original war.
    • Vor langer Zeit hinzugefügt ggf. mit Entfernung ähnlicher Komponenten wurden ein 3½" 1,44 MB Diskettenlaufwerk samt Frontblende und Floppy-Kabel sowie 4× 1 MiB SIMM 70 ns (5 MiB RAM = 4× 256 KiB + 4× 1 MiB → 8 MiB RAM= 8× 1 MiB).
    • Unklar ist, ob die 4× 1 MiB SIMM, die zusammen mit den 4× 256 KiB SIMM die 5 MiB RAM ergaben, original sind. In der Originalteilliste für den Vectra QS/16S sind auch 4×1 MiB SIMM als mögliche Komponente gelistet.
    • Der Rest der Kiste dürfte original sein.

    Vectra-61.jpg

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    Vectra-64.jpg

    MS-DOS 3.30 mit "Personal Assistent Manager" (PAM), der in "MS-DOS 3.30 for HP Vectra" inkludiert ist:

    Vectra-71.jpg

    Ausgabe von [DOS] mem /c. Die kryptische Zeichenkette unter "Name" stammt vom Treiber für den HP 82321 Language Processor:

    Vectra-72.jpg

    Eingabebildschirm unmitelbar nach Start des HP 82321 Language Processor:

    Vectra-73.jpg

    Ausgabe von [Linux] cat /proc/cpuinfo:

    Vectra-74.jpg

    Ausgabe von [Linux] cat /proc/ioports:

    Vectra-75.jpg

    Ausgabe von [Linux]cat /proc/interrupts :

    Vectra-76.jpg

    Ausgabe von [Linux] fdisk -l:

    Vectra-77.jpg

  • Das sieht doch echt Klasse aus - Schön, dass du Alles zum Laufen bekommen hast :b1:

    «Ich verstehe Ihre Frage so: Dass es Menschen gibt, die wünschen, dass ein solches OS als "Retro-OS" bezeichnet wird, ja? Mir ist nicht bekannt, dass solche Absichten bestehen, da HP-UX 9.x einfach ein altes OS ist. Niemand hat die Absicht, ein "Retro-OS" zu bauen.» Xaar, 2014

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